25.09.2003  

Frankfurter Neue Presse

Gespräche mit Investor Nally beendet

Frankfurt. Der englische Investor Patrick Nally wird nicht Betreiber des neuen
Waldstadions. Erwartungsgemäß teilten gestern Bürgermeister Joachim Vandreike
(SPD) und Kämmerer Horst Hemzal (CDU), mit, die Verhandlungen mit der Nally-Gruppe
Bravo Network Limited hätten "zu keinem zufrieden stellenden Ergebnis geführt".
Verhandelt wird jetzt mit dem Hamburger Sportrechtevermarkter Sportfive GmbH und der
Neu Isenburger HSG-Gruppe, einem Dienstleister für Facility Management, die ein
gemeinsames Konzept vorgelegt haben.

Mit Nally war über Betrieb und Vermarktung des Stadions sowie über den Bau einer
14 000 Zuschauer fassenden Veranstaltungsarena und eines Hotels auf dem Stadiongelände
verhandelt worden. Er konnte dafür aber "keine ausreichend belastbaren Finanzgarantien"
vorlegen, wie Vandreike und Hemzal erklärten. Bei den Verhandlungen mit Sportfive und
HSG gehe es nun ausschließlich um Betrieb und Vermarktung des neuen Waldstadions.

Die beiden Unternehmen seien "professionelle Partner mit nachgewiesener Kompetenz",
betonte die beiden Stadträte. In der Tat: Die Sportfive GmbH, die sich früher Ufa Sports
nannte, ist seit dem Einstieg bei Hertha BSC Berlin ein Begriff. Die Gruppe mit mehr
als 20 Tochtergesellschaften in 13 Ländern verfügt über zahlreiche internationale TV-
und Marketingrechte im Sport. Besonders stolz ist das Hamburger Unternehmen auf die
Zusammenarbeit mit dem HSV und insbesondere auf die Vermarktung der AOL-Arena. Außerdem
wird noch Borussia Dortmund umfassend betreut. In der Zweiten Liga arbeitet Sportfive
mit dem 1. FC Nürnberg und Arminia Bielefeld zusammen. Weitere Einzelrechte betreut das
Unternehmen von Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg, Hannover 96 und dem VfL Bochum.

Caroliene Götz, Pressesprecherin von Sportfive, begründete das Interesse am Waldstadion
damit, dass Frankfurt eine "exponierte Stellung" habe. Das Unternehmen habe auch eine
Zusammenarbeit mit der Eintracht "im Auge", betonte sie.

Die HSG, die für die technische Seite des Stadionbetriebs zuständig sein soll, wurde
1988 als Philipp-Holzmann-Tochter gegründet und gehört heute zum internationalen
Baukonzern Bilfinger Berger AG. Das Unternehmen bewirtschaftet zahlreiche Gebäude
und Grundstücke. In der Referenzliste finden sich unter anderem das Büro- und
Geschäftshaus Neuer Dovenhof in Hamburg, Objekte der R+V-Versicherung in München,
Düsseldorf und Karlsruhe sowie der Allianz-Komplex in Berlin-Treptow. Das
Dienstleistungsangebot reicht vom einfachen Reinigungsservice bis hin zu komplexen
internationalen Betreiberkonzepten.

Man werde "in den kommenden Wochen sehen", ob eine aus Sicht der Stadt Frankfurt
"wirtschaftlich tragfähige Lösung" möglich sei, betonten Vandreike und Hemzal. Nach
Angaben von Vandreikes Referent Ralph Klinkenborg hat die Stadt auch den Bau einer
Halle und eines Hotels "noch nicht aus den Augen verloren". Eine große Halle gehöre
heutzutage zur modernen Infrastruktur nationaler wie europäischer Metropolen.
Voraussichtlich werden diese Bauprojekte allerdings erst nach der Fußball-Weltmeisterschaft
2006 zur Debatte stehen.

Der Bau des Waldstadions kostet rund 126 Millionen Euro, von denen 64 Millionen Euro
durch die Stadt Frankfurt, 20,5 Millionen Euro durch das Land Hessen und die restlichen
41,5 Millionen Euro durch Kredite aufgebracht werden sollen. Erhofft wurde, dass durch
einen Betreiber und Vermarkter rund 80 Millionen Euro in die Kasse kommen. Ob dies bei
der kleineren Lösung noch der Fall sein wird, ist offen. (jge)



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