26.09.2003  

[unbekannt]

Gosselin definitiv ein Lion
Erster Einsatz in Krefeld / Streit um Gehälter hält an

Von Matthias Kittmann

FRANKFURT A. M. Da staunte Lions-Manager Lance Nethery nicht schlecht und ging
deshalb auch noch einmal alle Namen durch: "Stimmt, zum ersten Mal, seit ich in
Frankfurt bin", und das ist er schon seit über einem Jahr, "fällt bei uns kein
einziger Spieler wegen Verletzung oder Sperre aus." Worauf er gleich drei Kreuze
machte oder was man so als abergläubischer Mensch tut.

Und nicht nur das. Die Lions können vor dem Wochenende mit den Eishockey-Spielen
heute bei den Krefelder Pinguinen (20 Uhr) und am Sonntag in der Eissporthalle
(18.30 Uhr) gegen den ERC Ingolstadt sogar endlich ihren letzten Neuzugang auf
dem Eis präsentieren: David Gosselin. Der 26-jährige Kanadier hatte bekanntlich
gleich nach seiner Ankunft Anfang September Pech, als ihn beim Krafttraining ein
Lungenkollaps erwischte. Der ist jetzt auskuriert, Gosselin hat diese Woche voll
mittrainiert, und Nethery sagt: "Wir werden ihn lizenzieren." Er soll zunächst
in der Reihe mit Mike Harder und Robert Francz, dessen Matchstrafe im Pokalspiel
gegen Nürnberg auf die DEL-Spiele keine Auswirkung hat, mitwirken: "A line with
a lot of meat", so Trainer Rich Chernomaz, was man nur unzureichend mit "eine
Sturmreihe mit 'ner Menge Fleisch" übersetzen kann. Gemeint ist, dass die drei
einige physische Wucht aufs Eis bringen und damit den Gegner beeindrucken können.
Auch der gegen Nürnberg geschonte Pat Lebeau ist dabei, so dass wirklich alle
Mann an Bord sind.

In Krefeld erwartet Chernomaz ein "ganz enges Spiel", die Pinguine haben am
Wochenende mit ihrem überragenden Keeper Robert Mülller zweimal zu Null gewonnen.
Co-Trainer Gary Clark schwächt aber ab: "Hannover und Ingolstadt waren an diesen
Tagen nicht besonders stark."
Clark, vergangene Saison noch in Diensten der Lions, steht mit einigen Ex-Frankfurtern
auch im Mittelpunkt des immer noch schwelenden Streits um nicht gezahlte Gehälter.
Nachdem Christoph Sandner in der gestrigen FAZ den Lions Hinhaltetaktik und gebrochene
Versprechen vorgeworfen hatte, legt Butch Goring, aktuell Trainer der Krefelder, aber
vor zwei Jahren für zehn Spiele bei den Lions, in der FR nach: "Ich verstehe überhaupt
nicht, wie ein Club wie die Lions, der seine Gehälter nicht bezahlt, überhaupt eine
Lizenz bekommen kann", wetterte er. Bei seinem Spieler Pascal Appel, ebenfalls vergangene
Saison bei den Lions, sei der Scheck aus Frankfurt geplatzt, und Clark habe auch sein
Restgehalt noch nicht erhalten. Es sei ein doppelter Skandal, dass dies bei einem Club
passiere, dessen Chef, Gerd Schröder, auch noch Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen
Eishockey-Liga (DEL) sei.

Die Frankfurt Lions weisen die Vorwürfe als haltlos zurück. Laut Geschäftsführer Bernd
Kress gebe es keine ausstehenden Forderungen mehr, es sei denn, ein Spieler habe selbst
keine entsprechende Abrechnung vorgelegt, anhand der man die ausstehende Zahlung
ermitteln könne. Gerd Schröder sagt: "Wer das nicht glaubt, kann bei uns die Kopien
der Zahlungsanweisungen einsehen." So oder so eine etwas eigenartige Angelegenheit.
Dass es im Eishockey mit der Zahlungsmoral nicht immer ganz genau genommen wird, ist
zwar bekannt. Aber einem Club wie den Frankfurt Lions sollte es eigentlich möglich sein,
mit diesem Thema eleganter umzugehen und nicht erst die Klagedrohungen von Spielern
abzuwarten.



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